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Die Bibel in Kinderhand?

Zuletzt aktualisiert von bfg Augsburg am 18. August 2014 - 18:44

Der HERR der Heere Israels läßt Dir (Scheich Saul) sagen: "... Darum zieh' gegen die Amalekiter ins Feld und vernichte sie! Alles, was zu ihnen gehört, steht unter dem Bann. Darum töte ohne Erbarmen Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder, Schafe, Kamele und Esel. (Sam. 15, 1 - 3)

Der liebe Gott hatte sich in der Politik des auserwählten Volkes paradigmatisch geoffenbart. Das ist das Kernthema im Alten Testament. Und in obigem Zitat befiehlt der Herrgott einen Genozid. Aber gerade weil die Inspirationsquelle ganz oben angesiedelt ist, ist selbstverständlich auch ein Völkermord zu rechtfertigen. Welchen Schluß kann man, welchen Schluß muß man aus der Parallele, in der der Himmelvater Menschen mit Schlachtvieh gleichsetzt, gerade so wie Göbbels selig, der Menschen mit "Ratten und Schmeißfliegen" verglich, ziehen?

Streckenweise liest sich GOTT wie der Ideengeber für die Philosophie des Neutronenbombeneinsatzes, nur die Menschen zu vernichten und die Architektur stehen zu lassen:

" Alle Städte ... verbrannte Israel nicht, ausgenommen Hazor, ... Alle Beute dieser Städte und auch das Vieh nahmen die Israeliten an sich. Alle Menschen aber schlugen sie mit der Schärfe des Schwertes bis sie alle vernichtet hatten; keine lebende Seele ließen sie übrig ... ... wie JAHWE es dem Mose befohlen hatte ..." (Josua 11, 13-23)

Frag' niemals: "Warum hat GOTT das zugelassen", ER hat es so gewollt.

"Lasset die Kindlein zu mir kommen", spricht Jesus und sein Leben und seine Gleichnisse sind sehr ergiebig für niedliche pädagogische Geschichten im Sinne christlicher Erziehung. Gut gemeint. Aber: Jesus distanziert sich trotz "Neuem Bund" nicht nur nicht vom Paradigma des Alten Testaments, er beruft sich sogar ausdrücklich darauf und stellt damit Kontinuität her. Das macht die christliche Lehre sehr problematisch, weil aus dem krassen alttestamentarischen Schwarz - Weiß-, Freund - Feind- Denken, aufgrund dem eine absolut zynische Menschenverachtung gegenüber "Feinden", Un- und Andersgläubigen abgeleitet wird, protofaschistische Denkmuster explizit oder jedenfalls auf der Ebene des Unbewußten transportiert werden.

"Fluch über jeden, der nur halbherzig ausführt, was der HERR will! Fluch über jeden, der sein Schwert zurückhält vom Blutvergießen."

"Wen man findet, der wird niedergestoßen; wer ergriffen wird stirbt durch das Schwert. Ihre Kinder werden vor ihren Augen zerschmettert, ihre Häuser geplündert und ihre Frauen geschändet. Alle Knaben werden zerschlagen und die Mädchen zerschmettert; ... " (Jesaja, Jeremia)

Würden Sie Ihrem Kind solche alttestamentarische gewaltverherrlichende Lektüre erlauben? § 131 StGB: "Wer Schriften, die Gewalttätigkeiten gegenüber Menschen in grausamer Weise schildern und dadurch eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten verbreitet, öffentlich ausstellt, ... oder sonstwie zugänglich macht, liefert, vorrätig hält, anbietet, anpreist, ankündigt, ...wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft."

Wir brauchen keine neuen Gesetze, wir müssen die bestehenden Gesetze nur konsequent anwenden.

Es lassen sich 3 -einige Bewußtseinsebenen konzeptuieren: Unter-, Klar- und Überbewußtsein, denen neurobiologisch das Zwischenhirn, die Großhirnrinde und spekulativ ein luzides Zusammenwirken beider in einer Synthese höherer Ordnung zugeordnet ist. Auf Zwischenhirnstufe gibt es die binäre Logik der 2 Kategorien: Dinge, die das eigene Überleben gefährden und Dinge, die dem eigenen Überleben nützlich sind. Das Tier lebt diese Kategorien berechtigterweise um zu überleben. Der Mensch weiß sie in Worte zu fassen: gut - böse, Freund - Feind, Gott - Teufel, Sesshaftigkeit in einem fruchtbaren Land - Nomadisieren in der Wüste, Serben - Moslems...

Wie sieht eine Friedensstrategie auf der Stufe des Unterbewußtseins aus? Alles was böse ist, die Feinde, die das eigene Überleben gefährden, indem sie einfach wegen ihrer landesüblichen Religion die eigene Denkmatrix in Frage stellen, werden verteufelt und müssen vernichtet werden, in einem gerechten Krieg, durch antike Strafaktionen gegen die bösen Kanaanäer. Dann herrscht Friede, denn dann ist das Böse beseitigt, so die Logik des Zwischenhirns. Auf dieser Ebene sind Konflikte friedlich nicht lösbar. Unterwerfung ist auch unfriedlich. Das exakte Fach Mathematik ist exemplarisch für das Denken auf Klarbewusstseinsebene. Auf dieser rationalen Ebene, der neurobiologisch schwerpunktmäßig die linke Großhirnhemisphäre zugeordnet ist, wird die binäre Schwarz-Weiß-, Freund-Feind-Logik des Unterbewußtseins überschritten, bzw. verliert ihren Sinn, bzw. wird deren Disfunktionalität evident. Denn: Hier sind Differenzierung und Analyse von Kausalitäten komplexer Zusammenhänge möglich. In der Integration lassen sich hier ursachenorientierte Problemlösungen entwickeln.

Wie sieht eine Friedensstrategie auf Klarbewusstseinsebene aus? Vorschlag eines 3-stufigen Programms:

  1. Friedliche Koexistenz.
  2. An der Beachtung der Menschenrechte ausgesteuerter Ausbau der Wirtschaftsverflechtungen.
  3. Völkerverständigung auf soziokultureller, sportlicher und interpersoneller Ebene oder via Internet durch Verständlichmachung ethnologischer, historischer, kultureller, psychosoziologischer Eigenheiten.

Auf dieser Ebene sind Konflikte in einem langsamen evolutiven Prozess lösbar. Auf Überbewusstseinsebene werden sowohl die binäre Logik des Unterbewußtseins als auch die Rationalität des Klarbewußtseins überschritten. Luzidität definiert möglicherweise einen neurobiologischen Eigenzustand, in dem der rechten Großhirnhemisphäre direktive und koordinative Funktion mit allen weiteren Hirnarealen zukommt bei Überblendung limitierender prädisponierender Engramme. Wie kann man sich eine Friedensstrategie auf Überbewusstseinsebene vorstellen? Schwer zu sagen. Kennzeichnend wäre, daß bei einer fiktiven extrem zugespitzten Konfliktsituation, die nach aller Erfahrung zur unmittelbaren Mobilmachung führt, ein Quantensprung im Sinne von Wirksamwerden von Überbewusstseinsintelligenz passiert, sodaß sich in einem bewusstseinserweiternden Flash eine Lösungsalternative aufzeigen läßt, in der alle beteiligten Parteien ihre Interessen zur weitestgehenden Zufriedenheit gewahrt sehen oder Probleme, die im Bereich des Irrationalen liegen, als trivial erkannt werden.

Einem solchen Szenario könnte man eventuell das Attribut 'göttlich' zuschreiben. Aus dieser Überlegung läßt sich ableiten, daß eine auf Überbewusstseinsebene situierte, von göttlichem Geist beflügelte paradigmatische Politik der auserwählten Israelis Kriege faktisch hätte ausschließen müssen. Nicht nur, daß die antiken Israelis keine Angriffskriege geführt haben dürften, sie hätten unter den Nachbarvölkern in dem Ruf stehen müssen, daß es unmöglich ist, sie überhaupt in einen Krieg zu verwickeln. Sobald ein Aggressor gegen Israel aufmarschiert wäre, würde ein jeder Kombattant mit göttlicher Erleuchtung geschlagen worden sein und der göttlichen Erkenntnis, daß ihr kriegerisches Vorhaben in Niemandes Interesse ist und würde damit als Soldat unbrauchbar aber als Weiser in sein Morgenland abgezogen sein. Jeder Konflikt mit Gottes Volk würde den Feind ein stückweit glücklicher, friedlicher, weiser gemacht haben. Damit haben wir zwecks Falsifizierbarkeit ein Kriterium für wahre göttliche Inspiration entwickelt. Noch einmal: "Feinde" gibt es auf dieser Ebene konzeptionell nicht mehr. Und Jesus predigte die Feindesliebe. Bei einer Politik mit obigen Charakteristika, würden sich die antiken Israelis gegenüber den semitischen Nachbarvölkern, die auch nicht wesentlich friedlicher waren, paradigmatisch signifikant ausgezeichnet haben: Eine Konfliktbewältigungsstrategie auf Überbewusstseinsebene ging damals wie heute über unser allgemeines menschliches Vermögen hinaus.

Die beste Methode, Menschen auf Unterbewusstseinslogik festzulegen, ist ihnen Angst zu machen. Die alttestamentarische Selbstdarstellung des Geistes GOTTES durch die paradigmatische Politik der auserwählten antiken Israelis ordnet ihn der Stufe des Unterbewußtseins zu.

In Berücksichtigung dieses Sachverhalts stellt sich die Gewissensfrage geistiger Strukturen als geschichtliches Dispositiv: Das Christentum wird gemeinhin mit positiven Inhalten assoziiert, ganz im Gegensatz zum Faschismus, der mit eindeutig negativen Assoziationen verknüpft ist. Gleichwohl gibt es systemische bewusstseinsdeterminierende Strukturübereinstimmungen in der Denkmatrix: Bei Generationen von Menschen, denen 2000 Jahre lang eingebläut wurde, daß es nur eine wahre christliche Kirche und nur einen wahren monotheistischen Gott an der Spitze gibt und alles andere als teuflisch vernichtet werden muß, bzw. bedenkenlos vernichtet werden kann, wird nachvollziehbar, daß großen Teilen der Bevölkerung in einer Zeit der Erschütterung gewohnter Werte, politischer Ordnungen, extremer sozialer und wirtschaftlicher Not, militärischer Demütigung, aberwitzig überhöhten Reparationsforderungen, qua dieser internalisierten Logik prompt der Reflex einfällt: Nur die Arier sind die von der Vorsehung auserwählte Herrenrasse, nur die Deutschen bilden die von der Vorsehung auserwählte Volksgemeinschaft, mit einem monokratischen Führer an der Spitze und die Volksfeinde Juden, Zigeuner, politisch Verdorbene, müssen als teuflisches Krebsgeschwür vernichtet werden. In Funktion engrammatisierten Totalitarismus. In beiden strukturkongruenten, kompatiblen Systemen ist dualistisch zum Guten, Wahren, Schönen in Sündenbockfunktion ein globaler Unhold Satan bzw. minderwertige feindliche Rassen und deren Weltverschwörungen konstitutiv notwendig um systemimmanente Defizite zuordnen zu können. In pluralistischen Denkkategorien geprägten Menschen würden solche Vorstellungen bereits intuitiv als nihilistisch erkennbar gewesen sein, sie würden kognitiv Zugriff auf intelligentere kausalitätsorientierte Problemlösungsmuster gehabt haben. Beiden monofokalen Systemen ist gemein, daß sie sich auf der Basis der Bewältigung von Problemen durch Schuldverlagerung auf einen äußeren Feind konstituieren. Mit dieser Methode können irgendwelche Mißstände natürlich nicht wirklich behoben werden, sondern verschärfen sich in der Tendenz. Ende der 30-er Jahre kam es zur großen Problembewältigung. Wie konnte es soweit kommen? Welcher psychologische Mechanismus lief dabei ab? Beiden monofokalen Systemen sind, unabhängig von ihren unterschiedlichen Inhalten, bis zur Verwechselbarkeit nahezu identische Tiefenstrukturen unterlegt. Große Teile der christlich geprägten prädisponierten Menschen der 30-er Jahre erkannten auf der Ebene des Unbewußten Muster wieder, sie empfanden emotionale Geborgenheit, sie fühlten sich verstanden, sie entwickelten Vertrauen in den Nationalsozialismus, mit den extremen äußeren Bedingungen fertig zu werden und traten in die Partei ein. Die Leute machen Politik gemäß der Struktur die sie im Kopf haben. Es geht gar nicht anders.

Was war passiert? In Termini der Chaos-Physik formuliert sind synergetische Prozesse in Effekt getreten, bei denen es in einer Phase historischer Instabilität zu kritischen Fluktuationen gekommen war und im Umkippen auf den folgenden Ordnungszustand, in dem hier diskutierten speziellen Fall, totalitäre Optionen von vornherein begünstigt resp. prädisponiert waren.

Dem Monotheismus liegt die geniale Idee zu Grunde, das Böse in der Welt einfach durch Dissoziation abzuschaffen, auf daß nur noch der Liebe Gott übrig bleibe und seine satanischen Anteile, personifiziert als Satan final handlich entsorgt werden können. 1886 hat Robert Louis Stevenson diese Philosophie in seinem Roman "The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde", der vielfach verlegt, übersetzt, interpretiert, verfilmt und sogar als Musical inszeniert wurde, literarisch verarbeitet, aber das Experiment des Dr. Jekyll ist gründlich unkontrolliert aus dem Ruder gelaufen.

GOTT ist die Prägungen unserer Psyche, die subliminale Tiefenstruktur unserer jeweiligen Mentalität, das Paradigma unserer Philosophie, das "Transzendentale" bei Kant, der "Wille" bei Nietzsche, die Topologie unserer Gedanken, die Matrix unseres Berufsethos, das Bezugssystem unserer politischen Willensbildung, das Skript unserer Familiensituation, unser Gruppengeist, etc. - der Filter und das Ordnungssystem unserer Wahrnehmung. Unsere Wahrnehmungen kommen also bereits selektiert und strukturiert, d.h, interpretiert in unserem Bewußtsein an. Wie ist dieses Dilemma in den Griff zu bekommen? Die Zielvorgabe müßte sein: Freihändiges", nonintentionales Wahrnehmen / Denken ohne Antizipierung und a priori. In östlichen Traditionen wird hierzu versucht, durch Meditation auf die transzendentale Prägungsebene oder Gottesebene zuzugreifen. Damit besteht die vornehmste Aufgabe eines verantwortungsvollen Christen darin, ein Gottesbild zu entwerfen, welches für Pluralismus, konstruktiver geistig anregender Kritikfähigkeit, Abbau von Ängsten, Feindbildern und Allmachtsphantasien steht. Nebenbei bemerkt, Pluralismus heißt in religiös übersetzt: das Gottesbild eines geselligen Gottes, der sich am liebsten im Kreise jeder Menge anderer Götter neben sich befindet. Im gelungenen Idealfall kann Religiosität zum Eigenzustand des Findens des wahren Selbst führen. Die entsprechende religiöse Übersetzung ist 'vereint sein mit GOTT'. Das Christentum bedarf eines Paradigmawechsels seiner religiösen Situierung von der konventionellen Unterbewußtseins- zur Klarbewusstseinsebene. Und damit einer paradigmatischen Überschreitung des I. und II. Gebots. Der Teufel steckt im System / im Paradigma / in der Denkstruktur. Was ihn unsichtbar macht. Denn für die eigenen paradigmatischen Strukturen ist unser Wahrnehmungsapparat blind. Und zwar weitaus umfassender als wir uns im Eigenzustand des Alltagsbewußtseins beim besten Willen überhaupt klarmachen können oder uns einzugestehen bereit sind.

I. Gebot

Das monotheistische Paradigma benötigt integral konstitutiv den Satan um die Übel der Welt ursächlich erklären zu können, denn ein ausschließlich guter Gott kann logischerweise nicht schuld sein. Daraus ergibt sich zwingend das Schuldprinzip: Auf der spirituellen Ebene trägt Satan für alle Schlechtigkeit Schuld. In der praktischen Umsetzung sind es Feinde, Juden, ausländische Agenten, kritische Geister, Un- und Andersgläubige und sonstige Mißliebige ... Wenn im Sinne des geistigen Überbaus des Monotheismus-Paradigmas über Jahrhunderte und Jahrtausende bei jedem auftretenden Problem der Aufbau von Feindpositionen und Pogromstimmung kultiviert wird und die Bewältigung des Bösen aus der inneren binären Logik die Vernichtung der teuflischen Feinde bedeutet, kann man mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit mit langfristigen Aufschaukelungen zu letztlich unberechenbaren katastrophalen Eskalationen rechnen. Offenbare Logik der Apokalypse. Damit wird der Monotheismus, welcher bezeichnenderweise so abstruse mentale Verstiegenheiten wie das Dogma, 'der Mensch sei von Natur aus böse', aus sich selbst abgeleitet konstruiert, selbst zum Problem: Denn der Monotheismus definiert nicht nur das Böse, sondern perpetuiert es und erzeugt es erst. Strukturell. Konstitutiv. Jeder muß sich selbst fragen, ob sich ein Glaube an einen monotheistischen Gott mit dem eigenen Gewissen vereinbaren läßt? Wenn im Sinne des geistigen Überbaus eines Vernunft-Paradigmas über lange Zeiträume das Einüben und Entwickeln vernünftiger Problemlösungen kultiviert wird, kann mit einer gewissen Berechtigung eine langfristige Evolution zu relativ berechenbaren Verhältnissen erwartet werden.

II. Gebot

"Du sollst dir kein Bild machen" bedeutet das Verbot der Konzeptionalisierung eines Weltbilds oder eines Gegenentwurfs und damit ein Verbot des Infragestellens der vorgegebenen Dogmatik, des vorgegebenen Leitbilds. Das ergibt auf Klarbewusstseinsebene keinen Sinn und sollte durch die Formel: "Du sollst stets alles infrage stellen", bzw. der Methodik des Bewusstseinserweiterungsinstruments des Kritischen Rationalismus, ersetzt werden. Für den religiösen Glaubensbegriff bedeutet das in der Konsequenz definitiv eine Schwerpunktverlagerung weg vom wissenschaftlich unseriösen weil nicht hinterfragbaren Dogmatismus hin zur wissenschaftlich seriösen falsifizierbaren Arbeitshypothese. Die Bibel in Kinderhand?