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Freiheit, die ich meine

Zuletzt aktualisiert von bfg Augsburg am 18. August 2014 - 18:14

Philosophisches Café Augsburg-Schwaben geht in die Vollen

Eigenbericht (iwk)

Eng wurde es, als sich der Diskussionskreis PCAS am Freitag, den 17. März 2006 im Gewölbekeller von Stella Maris in der Frauentorstrasse zum zweiten Mal traf – in noch größerer Runde als bei seiner Gründung vor einem Monat (s. AZ vom 22.2.06). Richtig heiß wurde es, als es zur Sache ging. Hatte man sich doch das Thema "Willensfreiheit" zur Erörterung gewählt, deren Existenz seit 2500 Jahren immer (wie auch derzeit) mal wieder bestritten wird.

Vehement erklärten manche und bestanden nachdrücklich darauf, zu dem Abend gar nicht aus freien Stücken gekommen zu sein und genauso wenig an ihm freiwillig teilzunehmen... – Zur Sprache kam auch, dass "wollen" von einem Wort mit der Bedeutung "an sich reißen, ritzen, töten" stammt und mit Wolf, Walhall, wohl und wählen verwandt ist, woraus sich die heutige Vieldeutigkeit der Wörter wollen und Wille entwickelt hat. Werden sie doch zur Bezeichnung für triebhaftes oder gewohnheitsmäßiges Verhalten aus Neigung oder Vorlieben ebenso verwendet wie für überlegtes, auf bewusster Wahl und freier Entscheidung beruhendes absichtliches Handeln erwachsener Menschen.

Ein Gedankenexperiment sollte deutlich machen, dass bewusstes Wollen deswegen möglich ist, weil wir Menschen etwa ab dem Kindergartenalter anfangen, uns an Erlebtes zu erinnern. Denn damit werden wir fähig, uns Vergangenes, nicht mehr Existierendes vorzustellen wie nach und nach auch umgekehrt, noch nicht Verwirklichtes gedanklich in Betracht zu ziehen, z.B. Alternativen zu reagieren und vieles anderes bis hin zu weitreichendem Planen und einem "letzten Willen", der Erklärung dessen nämlich, was wir sogar nach unserem Tod noch alles wollen, allerdings von anderen!

Willensfreiheit stellt sich so als Folge von Gedankenfreiheit dar und Freiheit als geistiges Vermögen, als Ergebnis der Kunst zu denken. Vor allem in vorbedachtem und gemeinsam abgesprochenen Handeln beweisen Menschen sich gegenseitig, dass sie geistig imstande sind, Alternativen zu momentanen Triebimpulsen und gewohnheitsmäßigem Verhalten zu entwickeln und in praxi zu verwirklichen.

Erkennbar wurde, dass wir durch Denken, "in Gedanken" also oder "im Bewusstsein" Wahlmöglichkeiten schaffen. Erst daraus ergibt sich die berühmte "Qual der Wahl" ebenso wie wir uns damit in Zugzwang bringen, uns für eine der Handlungsalternativen entscheiden zu müssen, ja sogar dafür, sie auch selbst dann "in die Tat umzusetzen". Von der Wahl- über die Entscheidungs- oder Entschließungsfreiheit, wie Juristen auch sagen, bis hin zur Handlungsfreiheit ergibt sich so ein Kontinuum von Freiheitsgraden, die es zu erkennen und zu beherrschen gilt.

Das PCAS sucht größere Räumlichkeiten. Wie es bei der Aussprache dazu aussah, könnte es zu einer Kooperation mit der gemeinnützigen Behinderteninitiative kommen, die das Café-Restaurant "Sowieso" betreibt. Dort scheint man nicht abgeneigt zu sein, an einem Sonntag im Monat eine Philosophische Matinée einzurichten. - Weitere Informationen: online über http://www.philosophers-today.com/whats-going-on/cafes.html oder von Ingo-Wolf Kittel, Frauentorstr. 49, 86152 Augsburg, Tel. 0821/3494505 oder E-mail iw.kittel@gmx.de

PS. Zum Thema siehe die detaillierteren Darlegungen auf
 http://www.sprache-werner.info/index.php?id=2901
(kürzer a. in http://sprache-werner.info/index.php?id=2880
bzw. http://www.bbpp.de/ingo-kittel/1-Kittel_bvvp05H3.pdf o.
http://www.schulfach-ethik.de/ethik/Gymnasium/hirnforschung.htm )