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Leben als Aufklärer

Zuletzt aktualisiert von bfg Augsburg am 20. August 2014 - 13:20

Bund für Geistesfreiheit Augsburg ehrt den Kirchenkritiker Karlheinz Deschner


Übergabe des Ludwig Feuerbach-Preises an Dr. Karlheinz Deschner (li.) durch den stellv. Vorsitzenden Dietmar Michalke (re.)

(Augsburger Allgemeine Zeitung v. 3.12.2001 S. 29, loi).
Dem unermüdlichen Kirchenkritiker Karlheinz Deschner, ein „großer, nachdenklicher verletzter Mensch“, hat der Augsburger Bund für Geistesfreiheit seinen ersten, zum 90-jährigen Bestehen gestifteten Ludwig-Feuerbach-Preis verliehen. Die mit 10000 Mark dotierte Auszeichnung ergänze das kulturelle und weltanschauliche Spektrum Augsburgs, meinte bfg- Vorsitzender Gerhard Rampp bei der Verleihung

Der 77-jährige Deschner habe mit seiner ,,Kriminalgeschichte des Christentums" ein ,,Gebirge von Tatsachen" erhoben, woran alle Versuche kläglich gescheitert seien, sie wissenschaftlich in Zweifel zu ziehen, würdigte bfg-Vize Gerhard Czermak den Preisträger. Mag der bereits mehrfach Ausgezeichnete eine Reizfigur für Viele sein, so sei er doch kein notorischer Hasser, sondern getrieben von der Sehnsucht nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Deschner, 1924 in Bamberg geboren, verfiel der Exkommunikation, als er 1951 eine geschiedene Frau heiratete.

Als Laudator hob der ehemalige Tübinger Universitätsrektor und amtsenthobene katholische Kirchenrechtler Prof. Johannes Neumann die Klarsichtigkeit und Unbestechlichkeit Deschners hervor. Er nenne Lüge, Betrug und Verbrechen beim Namen, insbesondere das ,,Verbrechen im Schein der Heiligkeit". ,,Der hehre Augenaufschlag in Verbindung mit brutaler Machtdurchsetzung waren ihm Grund genug, sich Jahrzehnte mit der Kirchengeschichte abzuplagen, obwohl er sich Angenehmeres hätte vorstellen können", sagte Neumann. Die Sprache des promovierten Literaturwissenschaftlers sei ,,wie eine Lawine, wie ausbrechende Lava". Dutzende von Büchern und mehrere tausend Vorträge hat Deschner seit 1951 publiziert.

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Den Feuerbach-Preis stiftete ein ungenanntes Ehepaar zum 90-jährigen Bestehen des bfg. Er sei, so der bfg-Vorsitzende, eine Würdigung des ,,anderen Augsburg", das nicht wenige freie Geister hervorgebracht habe, etwa Schubart, Johann Most (,,Die Gottespest") oder Bert Brecht. Religionsfriede sei nur auf der Basis der Gleichberechtigung aller Weltanschauungen tragfähig, unterstrich Rampp. Während er den Wissenschaftspreis für interkulturelle Verständigung lobte, kritisierte er den ,,Geburtsfehler" des Augsburger Friedenspreises, den die Stadt zwar dotiert, aber faktisch die evangelische Kirche verleihe.

Obwohl sich aufklärerisches Gedankengut heute allgemein verbreitet hat, hält Rampp den bfg mit über 500 Mitgliedern (allein in Augsburg, Anm. d. Red.) als weltliche Opposition zu den Kirchen weiterhin für notwendig. So sei ihre neue Rolle als moralische Instanz für die Allgemeinheit stark in Frage zu stellen und unakzeptabel blieben die zahlreichen materiellen Privilegien der Kirche.

Klassisch-spanische Werke, gespielt von Dominik Zimmermann auf der Gitarre, lieferten den festlichen Rahmen
Klassisch-spanische Werke, gespielt von Dominik Zimmermann auf der Gitarre, lieferten den festlichen Rahmen
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