Sie sind hier

Monotheismus

Zuletzt aktualisiert von bfg Augsburg am 18. August 2014 - 18:48

Ich bin JAHVE, dein GOTT!
... Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Ziel folgender Ausführungen ist es, das christliche Monotheismus-Paradigma zu dekonstruieren.

Paradigmatische Denkstrukturen sind auf der geistigen Metaebene der Prägungen, also im Unbewußsein situiert und üben Steuerungsfunktion aus. Sie üben, weil eben unbewußt, unkontrolliert Steuerungsfunktion aus. Paradigmen definieren geistige Topologien und tiefenstrukturieren bspw. philosophische, idelogische, politische, wissenschaftliche Inhalte. Ein und derselbe geistige Inhalt kann, wenn er auf unterschiedlichen Paradigmen / Tiefenstrukturen aufsitzt, sehr unterschiedliche psychologische oder kulturelle oder politische Richtungen erfahren. Von Paradigmen als internalisierte Konvention, die die Wertgefüge und kognitiven Bezugsgrößen definieren, kann man sich faktisch nicht frei machen, sie beherrschen absolut das Vorstellungsvermögen.

In der Vergangenheit fanden Paradigmen generell in Religionen ihren Ausdruck. Unter dem Aspekt geistiger Strukturen als geschichtliches Dispositiv interessiert die Frage, welche Inhalte sie in Klartext transportieren. Vielleicht stellten polytheistische Mythologien wie die der Germanen und Kelten natürliche Vorläufer zu Pluralismus und Demokratie dar. Dann entsprechen die verschiedenen Götter den konkurrierenden demokratischen Kräften und Interessensgruppen und Institutionen, etc.

Im Monotheismus ist alle Gewalt in einer Hand gebündelt, was die Frage aufwirft, welches politische System dem entspricht? Stellen wir mal die Gewissensfrage, ob die Menschheitsgeschichte der letzten 2000 Jahre weniger grausam verlaufen wäre, wenn sich der jüdische Monotheismus nicht in Form des Christentums in Europa multipliziert haben würde. Denn dem jüdisch-christlichen Dogmatismus steht die weitaus tolerantere heidnische polytheistische Religiosität gegenüber, deren plurale Tendenz im Geltenlassen vieler verschiedener Götter, auch Götter anderer Völker, zum Ausdruck kommt. Der biblische Gott jedoch verteufelt alles Nicht-Biblische, alles Nicht-Christliche und intendiert es zu "vernichten", "auszurotten", zu "vertilgen", Vokabeln der Bibel, die, bezogen auf deren viel-1000-fache Gehäuftheit, Hitlers "Mein Kampf" nicht nachsteht.

Das Entstehen von totalitären Ideologien im 20. Jahrhundert ist überhaupt nur unter Einbeziehung der vorprogrammierten polarisierten Denkstrukturen (schwarz - weiß, gut - böse) des europäischen christlichen Menschen erklärbar. Eliminatorische Ideologien stehen in der atavistischen Tradition der Handlungsweise eines Gottes, der in seinen Kriegsordern den antiken Israelis befahl, Kriege gegen die Nachbarvölker zu führen, "den Bann zu vollstrecken" und " ohne Erbarmen Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder, Schafe, Kamele und Esel " (1.Sam. 15, 1-3)

- man beachte die zynische Gleichsetzung von Menschen mit Schlachtvieh - zu ermorden, d.h. Völkermord zu begehen.

Zur Erinnerung: Göbbels setzte Menschen mit "Ratten und Schmeißfliegen" gleich.

Die dogmatische Denkstruktur, nach der der Geist der Menschen geprägt wurde, schafft den idealen Nährboden für totalitäre Ideologien. Bei Generationen von Menschen, denen 2000 Jahre lang eingebläut wurde, daß es nur eine wahre christliche Kirche und nur einen wahren monotheistischen Gott an der Spitze gibt und alles andere als teuflisch vernichtet werden muß bzw. bedenkenlos vernichtet werden kann, wird nachvollziehbar, daß großen Teilen der Bevölkerung in einer Zeit der Erschütterung gewohnter Werte, politischer Ordnungen, extremer sozialer und wirtschaftlicher Not, militärischer Demütigung, aberwitzig überhöhten Reparationsforderungen, qua dieser internalisierten Logik prompt der Reflex einfällt: Nur die Arier sind die von der Vorsehung auserwählte Herrenrasse, nur die Deutschen bilden die von der Vorsehung auserwählte Volksgemeinschaft, mit einem monokratischen Führer an der Spitze und die Volksfeinde Juden, Zigeuner, politisch Verdorbene müssen als teuflisches Krebsgeschwür vernichtet werden. In Funktion engrammatisierten Totalitarismus.

In beiden strukturkongruenten, kompatiblen Systemen ist dualistisch zum Guten, Wahren, Schönen in Sündenbockfunktion ein globaler Unhold Satan bzw. minderwertige feindliche Rassen und deren Weltverschwörungen konstitutiv notwendig, um systemimmanente Defizite zuordnen zu können.

Mit pluralistischen Denkkategorien geprägten Menschen würden solche Vorstellungen bereits intuitiv als nihilistisch erkennbar gewesen sein, sie würden kognitiv Zugriff auf intelligentere kausalitätsorientierte Problemlösungsmuster gehabt haben.

Beiden monofokalen Systemen ist gemein, daß sie sich auf der Basis der Bewältigung von Problemen durch Schuldverlagerung auf einen äußeren Feind konstituieren. Mit dieser Methode können irgendwelche Mißstände natürlich nicht wirklich behoben werden, sondern verschärfen sich in der Tendenz. Ende der 30-er Jahre kam es zur großen Problembewältigung. Wie konnte es soweit kommen? Welcher psychologische Mechanismus lief dabei ab? Beiden monofokalen Systemen sind, unabhängig von ihren unterschiedlichen Inhalten, bis zur Verwechselbarkeit nahezu identische Tiefenstrukturen unterlegt. Große Teile der christlich geprägten Menschen der 30-er Jahre erkannten auf der Ebene des Unbewußtseins Muster wieder, sie empfanden emotionale Geborgenheit, sie fühlten sich verstanden, sie entwickelten Vertrauen in den Nationalsozialismus, mit den extremen äußeren Bedingungen fertig zu werden und traten in die Partei ein. Die Leute machen Politik gemäß der Struktur die sie im Kopf haben. Es geht gar nicht anders.

Was war passiert? Es sind synergetische Prozesse in Effekt getreten, bei denen es in einer Phase historischer Instabilität zu kritischen Fluktuationen gekommen war und im Umkippen auf den folgenden Ordnungszustand, in dem hier diskutierten speziellen Fall, totalitäre Optionen von vornherein begünstigt bzw. prädisponiert waren.

Dem Monotheismus liegt die geniale Idee zu Grunde, das Böse in der Welt einfach durch Dissoziation abzuschaffen, auf daß nur noch der Liebe Gott übrig bleibe und seine satanischen Anteile personifiziert als Satan final handlich entsorgt werden können. 1886 hat Robert Louis Stevenson diese Philosophie in seinem Roman "The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde", der vielfach verlegt, übersetzt, interpretiert, verfilmt und sogar als Musical inszeniert wurde, literarisch verarbeitet, aber das Experiment des Dr. Jekyll ist gründlich unkontrolliert aus dem Ruder gelaufen.

Der Teufel steckt im System / im Paradigma / in der Denkstruktur.
Das monotheistische Paradigma benötigt integral konstitutiv den Satan, um die Übel der Welt ursächlich erklären zu können, denn ein ausschließlich guter Gott kann logischerweise nicht schuld sein. Daraus ergibt sich zwingend das Schuldprinzip:
Auf der spirituellen Ebene trägt Satan für alle Schlechtigkeit Schuld. In der praktischen Umsetzung sind es Feinde, Juden, ausländische Agenten, kritische Geister, Un- und Andersgläubige und sonstige Mißliebige ...
Wenn im Sinne des geistigen Überbaus des Monotheismus-Paradigmas über Jahrhunderte und Jahrtausende bei jedem auftretenden Problem der Aufbau von Feindpositionen und Pogromstimmung kultiviert wird und die Bewältigung des Bösen, aus der inneren binären Logik die Vernichtung der teuflischen Feinde bedeutet, kann man mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit mit langfristigen Aufschaukelungen zu letztlich unberechenbaren katastrophalen Eskalationen rechnen.

Offenbare Logik der Apokalypse.

Damit wird der Monotheismus, welcher bezeichnenderweise so abstruse mentale Verstiegenheiten wie das Dogma 'der Mensch sei von Natur aus böse' aus sich selbst abgeleitet konstruiert, selbst zum Problem, denn:
der Monotheismus definiert nicht nur das Böse, sondern perpetuiert es und erzeugt es erst. Strukturell. Konstitutiv. Jeder muß sich selbst fragen, ob sich ein Glaube an einen monotheistischen Gott mit dem eigenen Gewissen vereinbaren läßt? Darf man als aufrechter Christ aus seinem Herzen eine Mördergrube machen?

Wenn im Sinne des geistigen Überbaus eines Vernunft-Paradigmas über lange Zeiträume das Einüben und Entwickeln vernünftiger Problemlösungen kultiviert wird, kann mit einer gewissen Berechtigung eine langfristige Evolution zu relativ berechenbaren Verhältnissen erwartet werden.
Von einem allweisen Gott müßte man eigentlich erwarten können, diesen Sachverhalt zu durchblicken, sodaß er nicht ein so untaugliches Instrument wie das Monotheismus-Paradigma verordnet haben würde. Ein im Wortsinn Lieber Gott hätte nicht Propheten gesandt, die Dogmatismus in Reinkultur verbreiten, sondern Lehrer des Pluralismus, die ein verständnisvolles und bewußtseinserweiterndes Geltenlassen der verschiedensten ethnischen, religiösen und kulturellen Formen menschlicher Existenz gepredigt hätten.
Er hätte die zum großen Teil bereits angelegten pluralen Tendenzen im "heidnischen" Denken gefördert, was in einem kybernetischen, d.h. auf die Rahmenbedingungen rückwirkenden Evolutionsprozess, zu offenen, demokratischen Gesellschaften führt.
Strukturkonvergenzen
Philosophische Struktur
FASCHISMUS
monokratischer Führer
alles andersartige (z.B. die falsche Rasse)
Subliminale Tiefenstruktur
sorten- reine Lehre engrammatischer Ausschließlichkeitslogik
monofokale absolute Kontrollfunktion
Feindbild (die falsche Sorte
Religiöse Struktur
MONOTHEISMUS
monotheistischer Gott
andere Denkstrukturen (z.B. die falsche Religion)
Führer Herrenrasse, Arier Nationalsozialismus = ICH = Welt Deutschland, Volksdeutsche Endsieg, Endlösung Identifikationsebene psychologisch motivierte Flucht in die Arroganz erfordert hypertrophe Inhalte GOTT allmächtig, allweise ICH = Welt = Christentum Glaubens-Wahrheit Apokalypse
= existentielle Bedrohung wird als minderwertig diffamiert und muß vernichtet werden; Weltverschwörung minderwertiger feindlicher Rassen; Opposition bedingungsloses Gehorsamsprinzip Endlösung, Endsieg 1000-jähriges Reich Monopol auf rassische Überlegenheit Struktur der faschistischen Ideologie gesinnungsrelevantes völkisches Empfinden Feindbild zwecks Projektion systemimmanenter Defizite in Sündenbockfunktion; Schuldprinzip Machtinstrument Konfliktbewältigungsstrategie Heilsversprechen Monopolanspruch Paradigma im "Hinterkopf" und im Herzen = existentielle Bedrohung werden verteufelt und deren Träger müssen vernichtet werden; globaler Bösewicht Satan; Ketzer, Häretiker, Ungläubige biblisches Gehorsamsprinzip alttest. Vernichtungsweihe, Apokalypse Himmelreich oder Paradies auf Erden Monopol auf Glückseligkeit Struktur des jüdisch / christlichen Glaubenssystems mit Libido resp. fundamentalistischem Eifer besetzt

Obiger Strukturkongruenzvergleich ist nicht als 1 : 1 -Zuordnung Gott = Hitler zu mißverstehen, was nicht nur nicht zulässig ist, weil es unhistorisch wäre und es sich im einen Falle um einen realen Verbrecher handelt und im anderen um eine wunderbare Illusion, einer mythologischen kosmischen Projektion, einem idealen Vater-, Mutter-, Realitätsersatz; Gottesglaube kann u.U. ein effektives Mittel realitärer Lebenshilfe sein.

Worauf es hier ankommt ist: die systemischen bewußtseinsdeterminierenden Strukturübereinstimmungen der Denkmatrix, die sich in totalitären Staaten konsequent in der Organisationsstruktur entsprechend abbildet und in der Politik nach innen und außen auswirkt. Das Machtinstrument des bedingungslosen Gehorsamsprinzips öffnet im Zusammenspiel mit Ausschaltung und Verbot der Opposition Tür und Tor für eine Entwicklung in Richtung Willkür und Despotismus.