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Vom Sockel geholt

Zuletzt aktualisiert von bfg Augsburg am 20. August 2014 - 14:33

Augsburger Allgemeine Zeitung, 3.11.2004 

Bund für Geistesfreiheit ehrt den Bibelkritiker Franz Buggle

Von unserem Mitarbeiter Claudius Wiedemann

Zu seinem 200. Geburtstag hatte dieses Jahr die Deutsche Post eine Sondermarke von Ludwig Feuerbach herausgebracht. Der Religionskritiker steht in kirchlichen Kreisen immer noch in der Kritik. Für frei denkende Menschen wie den Bund für Geistesfreiheit (bfg) jedoch ist Feuerbach Vordenker einer lebenswerteren Welt. Deshalb verlieh der bfg bereits zum zweiten Mal seinen Ludwig­Feuerbach-Preis, jetzt an den Psychologen und Bibelkritiker Prof. Franz Buggle. 
Kurt Schobert, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben, bekräftigte in seiner Laudatio im Zeug­haus, wie konsequent der Freiburger Psychologieprofessor die Diskriminierungen der katholischen und evangelischen Kirchen entlarve, die im Laufe der Jahrhunderte an Menschenrechtsverletzungen' kaum etwas ausgelassen hätten. "Sie haben dargestellt, dass viele TextsteIlen der Bibel in hohem Maße inhuman und mit heutigen demokratischen Wer­ten nicht mehr vereinbar sind", sagte Schobert. So würden Kriege gegen anders gläubige Völker empfohlen oder für gut geheißen. Alles dies könne man nicht mehr akzeptieren. 

Demokratie bedroht 

Dass Buggle diese Schwächen der Bibel in seinem Buch "Denn sie wissen nicht, was sie glauben" (1992) wissenschaftlich erforscht und herausgearbeitet hat, nannte Schobert ein großes Verdienst. "Sie haben damit praktisch die Bibel vom Sockel der Unantastbarkeit herunter geholt." Genau darin treffe er sich auf ideale Weise mit dem Namensgeber des Preises. Prof. Buggle zeigte sich hoch er­freut über die Ehrung und bekräftigte im Sin­ne eines Weltfriedens seine These zur Religionskritik: "Fundamentalismus in jeder monotheistischen Religion bedroht unsere Demo­kratie. Was in Amerika im Namen der Religi­on derzeit passiert, ist erschreckend", sagte er. Das müsse bewusst gemacht werden. ,,Aber leider versagen hier die Intellektuellen. Wir streiten uns darüber, ob wir dass mit ß oder ss schreiben", bedauerte Buggle. 
Der bfg-Vorsitzende Gerhard Rampp skiz­zierte Feuerbachs Bezüge zu Augsburg. So hatte der bedeutendste Religionskritiker des 19. Jahrhunderts mehrmals in der Stadt Vorträge gehalten. Ein Schüler musste gar eine Woche ins Gefängnis, da er Feuerbachs The­sen bekräftigt hatte. In diesem Zusammenhang kritisierte Rampp, dass in Augsburg zwar ein Friedenspreis vergeben würde, die Entscheidung darüber aber rein in den Hän­den der beiden christlichen Kirchen liege.

 Muslime und Konfessionsfreie seien von diesem Friedensprozess ausgeschlossen. Dies störe trotz Nachfrage die Stadt nicht, wie Kulturreferentin Leipprand Rampp gegenüber bekundet habe. Feuerbach habe stets eine po­sitive rein diesseitige Ethik geschaffen für das friedliche Zusammenleben der Menschen.

Klassisch-spanische Werke von Dominik Zimmermann
Klassisch-spanische Werke von Dominik Zimmermann